Abbruch: Friedensengel stören Bundeswehr in Arbeitsagentur| 10. Mai2007 (Aachen)

Friedensengel stören Bundeswehr in Arbeitsagentur

Aachen. Durch Störungen mittels Zwischenfragen haben linke Demonstranten am Donnerstag für das vorzeitige Ende einer Informationsveranstaltung der Bundeswehr gesorgt. Die Bundeswehr wollte in den Räumen der Agentur für Arbeit an der Roermonder Straße über Berufschancen informieren. Acht Vertreter aus Aachens linker Szene störten die Veranstaltung, so dass drei Interessierte kaum etwas erfahren konnten über Arbeitsplätze bei der Bundeswehr.

Wehrdienstberatungsoffizier Thomas Jungen sagte unserer Zeitung, so etwas habe er in seiner mehrjährigen Laufbahn noch nicht erlebt. Sowohl Jungen als auch der zuständige Bereichsleiter in der Arbeitsagentur Aachen, Hans Helmut Lehmkuhl, betonten, mit diesen Veranstaltungen wolle die Bundeswehr über berufliche und soldatische Laufbahnen zwischen Grundwehrdienst, Handwerksberufen und Studium informieren.

Insgesamt waren rund 20 Demonstranten erschienen. Jene, die nicht in die Räume der Berufsinformationszentrum (BIZ) störten, hielten vor der BIZ-Tür eine kleine Demonstration ab. „Keine Ausbildung zum Krieg“ stand auf einem Plakat. Neben dem „Anwerben“ von Jugendlichen würden auch Langzeitarbeitslose von den Behörden unter Druck gesetzt, zur Bundeswehr zu gehen. Letztlich könnten diese dann auf die Kriegsschauplätze in aller Welt entsandt werden, kritisierten die Friedensaktivisten mit Blick auf Rekrutierungen in den USA. Dort ziehen Menschen den Armeedienst der Arbeitslosigkeit vor.

Anders sahen das zwei junge Männer und eine junge Frau, die sich als Schulabgänger über Berufe bei der Bundeswehr informieren wollten. Das Trio übte seinerseits Kritik – indes an den Demonstranten. Diese nähmen ihnen das Recht, sich frei zu informieren. „Das können wir doch selbst entscheiden,“ betonte die junge Frau gegenüber den Linken. Doch die betonten wieder und wieder, es gehe ihnen auch darum, die Bewerber davor zu bewahren, traumatisiert aus einem Krieg heimzukehren.

Gutes Zureden von Wehrdienstberatungsoffizier Jungen und Lehmkuhl, die Demonstranten sollten nicht weiter stören, nutzte letztlich wenig. Nach einer Stunde brachen beide den Infonachmittag ab. Wegen zahlreicher Zwischenfragen und Diskussionen über Krieg und Auslandseinsätze der Bundeswehr war kein geordneter Ablauf möglich.

Erst kürzlich hatte Linkspartei.PDS-Ratsherr Andreas Müller im Rat das Vorgehen der Bundeswehr in der Agentur für Arbeit gerügt. Auch er kritisierte, dass Langzeitarbeitslose unter Druck gesetzt werden. Lehmkuhl dementierte das am Donnerstag. Seit Jahren gebe es in seinem Haus Bundeswehr-Veranstaltungen, die sich besonders an Berufsanfänger richteten. Niemand werde unter Druck gesetzt. (AN)



Kommentierung von Anwesenden:

> Friedensengel stören Bundeswehr in Arbeitsagentur

"Friedensengel" ein alter Begriff in eine geradezu lyrisch geniale Überschrift gegossen. Aber können Friedensengel wirklich stören? Und somit kommen wir zur ersten Kritik an journalistischer Berichterstattung, der einseitigen Begrifflichkeit "stören". Insgesamt 5 Mal taucht diese einseitige und verquere Interpretation einer ergänzenden Information für Berufsanfänger durch Fragende und Berater aus der gegenmilitärischen Szene auf. Friedensengel, so bezeichnete, inhaltlich nicht wörtlich, der Wehrdienstberatungsoffizier Oberleutnant Jungen das "Engagement" der Bundeswehr auf dem Balkan. Die in der Sicherheitsstrategie der EU! (Verf. Javier Solana) dargelegte und nachvollziehbare Analyse, dass der Balkan, immerhin seid 9 Jahren fest in der Hand der Militärs, USA, NATO, EU, UN, ff. KFOR, sich in dieser Zeit zum größten Drogenumschlagplatz und Frauenhandelsplatz Europas entwickelt hat, ist eine Information die keinem Berufsanfänger vorenthalten werden sollte. Ebensowenig, dass, auch nach der Strategiepapieranalyse, die Toten der letzten Kriege zu 90 % Zivilisten waren.

> Aachen. Durch Störungen mittels Zwischenfragen haben linke
> Demonstranten am Donnerstag für das vorzeitige Ende einer
> Informationsveranstaltung der Bundeswehr gesorgt. Die Bundeswehr
> wollte in den Räumen der Agentur für Arbeit an der Roermonder Straße
> über Berufschancen informieren. Acht Vertreter aus Aachens linker
> Szene störten die Veranstaltung, so dass drei Interessierte kaum
> etwas erfahren konnten über Arbeitsplätze bei der Bundeswehr.

Journalistische Sorgfaltspflicht setzt auch solche profanen Dinge wie richtiges Zählen voraus - es waren 10-12 Personen, die, z.T. als ehemalige Wehrdienstleistende, besorgte Mütter und kritische junge Menschen, mit ihrem erweiterten Erfahrungsschatz und konkreten Sachfragen zur Information der 3 InteressentInnen beitragen wollten und konnten.

> Wehrdienstberatungsoffizier Thomas Jungen sagte unserer Zeitung, so
> etwas habe er in seiner mehrjährigen Laufbahn noch nicht erlebt. Sowohl
> Jungen als auch der zuständige Bereichleiter in der Arbeitsagentur
> Aachen, Hans Helmut Lehmkuhl, betonten, mit diesen Veranstaltungen wolle
> die Bundeswehr über berufliche und soldatische Laufbahnen zwischen
> Grundwehrdienst, Handwerksberufen und Studium informieren.

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet auch über berufsbedingte Risiken zu informieren, dass zumindest war zunächst mit dem BA-Vertreter Konsens und sollte, sofern die BA diese Verpflichtung noch nicht in ihren Bedingungen stehen hat, schleunigst nachgeholt werden. Wenn also z.B. die Frage gestellt wird, ob die Bundeswehr ihre Soldaten nach Auslands"aufenthalten" besser betreut als z.B. die US-Army, 4 Morde und 2 Selbstmorde innerhalb von 6! Wochen in nur 1! Einheit nach einem Afghanistaneinsatz, so bedarf es schon eines klar(mannsch)en Feindbildes, dies als subversive Störung zu betrachten und nicht als Aufforderung und Möglichkeit die Sorgfaltspflicht des Arbeitgebers Bundeswehr positiv darzustellen. Bedauerlicher- und unverständlicherweise wurde diese Gelegenheit, die Interessenten über den fürsorglichen Arbeitgeber BW zu informieren, seitens des Wehrdienstberatungsoffizier nicht genutzt.

> Insgesamt waren rund 20 Demonstranten erschienen. Jene, die nicht in die
> Räume der Berufsinformationszentrum (BIZ) störten, hielten vor der
> BIZ-Tür eine kleine Demonstration ab. "Keine Ausbildung zum Krieg" stand
> auf einem Plakat. Neben dem "Anwerben" von Jugendlichen würden auch
> Langzeitarbeitslose von den Behörden unter Druck gesetzt, zur Bundeswehr
> zu gehen. Letztlich könnten diese dann auf die Kriegsschauplätze in
> aller Welt entsandt werden, kritisierten die Friedensaktivisten mit
> Blick auf Rekrutierungen in den USA. Dort ziehen Menschen den
> Armeedienst der Arbeitslosigkeit vor.

Da der Beauftragte der BA ausdrücklich und mehrfach verneint hatte, dass Arbeitslose zu der Veranstaltung geladen worden sind, wurde diese grundsätzliche Befürchtung, in anderen Städten war dies der Fall, und somit der Vorwurf NICHT erhoben. Woher Klarmann diese Behauptung hat, bleibt also sein journalistisches Geheimnis. Ebenso woher die profunde und professionelle Ein-Satz-Analyse stammt, dass Menschen in den USA den Armeedienst der Arbeitslosigkeit vorziehen.

> Anders sahen das zwei junge Männer und eine junge Frau, die sich als
> Schulabgänger über Berufe bei der Bundeswehr informieren wollten. Das
> Trio übte seinerseits Kritik -- indes an den Demonstranten. Diese nähmen
> ihnen das Recht, sich frei zu informieren. "Das können wir doch selbst
> entscheiden," betonte die junge Frau gegenüber den Linken. Doch die
> betonten wieder und wieder, es gehe ihnen auch darum, die Bewerber davor
> zu bewahren, traumatisiert aus einem Krieg heimzukehren.

Offensichtlich fällt dem geschulten Journalisten nicht auf, welchen grundlegenden Fehler die junge Frau und durch diese Darstellung auch er macht, dass nämlich ALLE Anwesenden das Recht hatten sich frei zu informieren und das durch die von ihr gewünschte einseitige Information das Recht Anderer auf umfassendere Information beschnitten wurde. Das sie in ihrer Entscheidung selbstverständlich frei bleibt, kann und will ihr niemand nehmen. Ebensowenig ist ihr Recht beschnitten, sich in einer Bundeswehrkaserne "ungestört" und "objektiv" informieren zu lassen. Von einer Erwähnung geschweige denn einer ständigen Wiederholung "Bewerber davor zu bewahren, traumatisiert aus Kriegen heimzukehren" ist mir nichts bekannt. Abgesehen von der Fragestellung zu dem fürsorglichen Arbeitgeber Bundeswehr die der Wehrdienstberatungsoffizier, vermutlich nicht im Sinne seines Arbeitgebers, ja eben nicht beantwortet hat. Hier liegt also wohl eher eine Traumatisierung des Wehrdienstberatungsoffizier vor abweichenden Fragen vor.

> Gutes Zureden von Wehrdienstberatungsoffizier Jungen und Lehmkuhl, die
> Demonstranten sollten nicht weiter stören, nutzte letztlich wenig. Nach
> einer Stunde brachen beide den Infonachmittag ab. Wegen zahlreicher
> Zwischenfragen und Diskussionen über Krieg und Auslandseinsätze der
> Bundeswehr war kein geordneter Ablauf möglich.

Da gutes Zureden den Journalisten Klarmann wohl nicht dazu bringen wird auch den Kritikern einer solchen Veranstaltung überhaupt Raum für ihre Darstellung des Geschehens zu geben, hier meine Sicht. Wenn man die oberflächliche Ordnung der Bundeswehr, Hemd - hellblau - Faltung DIN A4 - Spind mitte, über Inhalte stellt, ist dieses Statement fast richtig und somit journalistisch fast ordentlich. Leider aber nur fast, denn das Diskussionen nicht erwünscht waren, daran haben sich alle Teilnehmer gehalten, bis auf den Wehrdienstberatungsoffizier und den Beauftragten der BA die wieder und wieder Diskussionen darüber anzuzetteln suchten, was denn an Fragen nun erwünscht sei oder nicht.

> Erst kürzlich hatte Linkspartei.PDS-Ratsherr Andreas Müller im Rat das
> Vorgehen der Bundeswehr in der Agentur für Arbeit gerügt. Auch er
> kritisierte, dass Langzeitarbeitslose unter Druck gesetzt werden.
> Lehmkuhl dementierte das am Donnerstag. Seit Jahren gebe es in seinem
> Haus Bundeswehr-Veranstaltungen, die sich besonders an Berufsanfänger
> richteten. Niemand werde unter Druck gesetzt. [Michael Klarmann; für AN]

Offensichtlich ist weder dem Beauftragten der BA noch dem Journalisten Klarmann klar, dass die Bundeswehr kein "normaler" Arbeitgeber ist. Zumindest nicht mehr seit durch die NATO-Doktrin von 1998 über den Passus "Ressourcensicherung" die Bündnispartner zu einer weltweit tätigen Wirtschaftssicherungstruppe verkommen sind. Ebenso sollte diese beiden Adressaten doch stutzig machen, dass es per höchstrichterlichem Beschluss möglich ist, Soldaten als potentielle Mörder zu bezeichnen. Das dies im Speziellen nicht über Soldaten der Bundeswehr gesagt werden darf, ändert nichts an der Allgemeingültigkeit. Ein Arbeitgeber, dem das generelle "Berufsbild" "potentielle Mörder" zugeordnet werden kann, wirbt in der BA als "normaler" Arbeitgeber um Nachwuchs? Ein denkwürdiges Verständnis der BA und eines Journalisten.
Fazit, als flankierende Massnahme einer sauberen Bundeswehrdarstellung durchaus geeignet. Als Beispiel für die freie Meinungsäußerung – einem Grundpfeiler des Journalismus - von Menschen gegen Krieg und Militarismus, wohl eher nicht.

Friedensengel stören nicht - oder doch? ;-)

Viele und herzliche Gruesse an alle Beteiligten (BA und BW ausgenommen)