Friedensengel
stören Bundeswehr in Arbeitsagentur
Aachen. Durch
Störungen mittels Zwischenfragen haben linke Demonstranten am
Donnerstag für das vorzeitige Ende einer
Informationsveranstaltung der Bundeswehr gesorgt. Die Bundeswehr
wollte in den Räumen der Agentur für Arbeit an der
Roermonder Straße über Berufschancen informieren. Acht
Vertreter aus Aachens linker Szene störten die Veranstaltung, so
dass drei Interessierte kaum etwas erfahren konnten über
Arbeitsplätze bei der Bundeswehr.
Wehrdienstberatungsoffizier
Thomas Jungen sagte unserer Zeitung, so etwas habe er in seiner
mehrjährigen Laufbahn noch nicht erlebt. Sowohl Jungen als auch
der zuständige Bereichsleiter in der Arbeitsagentur Aachen, Hans
Helmut Lehmkuhl, betonten, mit diesen Veranstaltungen wolle die
Bundeswehr über berufliche und soldatische Laufbahnen zwischen
Grundwehrdienst, Handwerksberufen und Studium informieren.
Insgesamt
waren rund 20 Demonstranten erschienen. Jene, die nicht in die Räume
der Berufsinformationszentrum (BIZ) störten, hielten vor der
BIZ-Tür eine kleine Demonstration ab. „Keine Ausbildung zum
Krieg“ stand auf einem Plakat. Neben dem „Anwerben“ von
Jugendlichen würden auch Langzeitarbeitslose von den Behörden
unter Druck gesetzt, zur Bundeswehr zu gehen. Letztlich könnten
diese dann auf die Kriegsschauplätze in aller Welt entsandt
werden, kritisierten die Friedensaktivisten mit Blick auf
Rekrutierungen in den USA. Dort ziehen Menschen den Armeedienst der
Arbeitslosigkeit vor.
Anders sahen das zwei junge Männer
und eine junge Frau, die sich als Schulabgänger über Berufe
bei der Bundeswehr informieren wollten. Das Trio übte
seinerseits Kritik – indes an den Demonstranten. Diese nähmen
ihnen das Recht, sich frei zu informieren. „Das können wir
doch selbst entscheiden,“ betonte die junge Frau gegenüber den
Linken. Doch die betonten wieder und wieder, es gehe ihnen auch
darum, die Bewerber davor zu bewahren, traumatisiert aus einem Krieg
heimzukehren.
Gutes Zureden von Wehrdienstberatungsoffizier
Jungen und Lehmkuhl, die Demonstranten sollten nicht weiter stören,
nutzte letztlich wenig. Nach einer Stunde brachen beide den
Infonachmittag ab. Wegen zahlreicher Zwischenfragen und Diskussionen
über Krieg und Auslandseinsätze der Bundeswehr war kein
geordneter Ablauf möglich.
Erst kürzlich hatte
Linkspartei.PDS-Ratsherr Andreas Müller im Rat das Vorgehen der
Bundeswehr in der Agentur für Arbeit gerügt. Auch er
kritisierte, dass Langzeitarbeitslose unter Druck gesetzt werden.
Lehmkuhl dementierte das am Donnerstag. Seit Jahren gebe es in seinem
Haus Bundeswehr-Veranstaltungen, die sich besonders an Berufsanfänger
richteten. Niemand werde unter Druck gesetzt. (AN)
Kommentierung von Anwesenden:
>
Friedensengel stören Bundeswehr in
Arbeitsagentur
"Friedensengel"
ein alter Begriff in eine geradezu lyrisch geniale Überschrift
gegossen. Aber können Friedensengel wirklich stören? Und
somit kommen wir zur ersten Kritik an journalistischer
Berichterstattung, der einseitigen Begrifflichkeit "stören".
Insgesamt 5 Mal taucht diese einseitige und verquere Interpretation
einer ergänzenden Information für Berufsanfänger durch
Fragende und Berater aus der gegenmilitärischen Szene auf.
Friedensengel, so bezeichnete, inhaltlich nicht wörtlich, der
Wehrdienstberatungsoffizier Oberleutnant Jungen das "Engagement"
der Bundeswehr auf dem Balkan. Die in der Sicherheitsstrategie der
EU! (Verf. Javier Solana) dargelegte und nachvollziehbare Analyse,
dass der Balkan, immerhin seid 9 Jahren fest in der Hand der
Militärs, USA, NATO, EU, UN, ff. KFOR, sich in dieser Zeit zum
größten Drogenumschlagplatz und Frauenhandelsplatz Europas
entwickelt hat, ist eine Information die keinem Berufsanfänger
vorenthalten werden sollte. Ebensowenig, dass, auch nach der
Strategiepapieranalyse, die Toten der letzten Kriege zu 90 %
Zivilisten waren.
> Aachen. Durch Störungen
mittels Zwischenfragen haben linke
> Demonstranten am
Donnerstag für das vorzeitige Ende einer
>
Informationsveranstaltung der Bundeswehr gesorgt. Die Bundeswehr
>
wollte in den Räumen der Agentur für Arbeit an der
Roermonder Straße
> über Berufschancen informieren.
Acht Vertreter aus Aachens linker
> Szene störten die
Veranstaltung, so dass drei Interessierte kaum
> etwas erfahren
konnten über Arbeitsplätze bei der
Bundeswehr.
Journalistische
Sorgfaltspflicht setzt auch solche profanen Dinge wie richtiges
Zählen voraus - es waren 10-12 Personen, die, z.T. als ehemalige
Wehrdienstleistende, besorgte Mütter und kritische junge
Menschen, mit ihrem erweiterten Erfahrungsschatz und konkreten
Sachfragen zur Information der 3 InteressentInnen beitragen wollten
und konnten.
> Wehrdienstberatungsoffizier Thomas
Jungen sagte unserer Zeitung, so
> etwas habe er in seiner
mehrjährigen Laufbahn noch nicht erlebt. Sowohl
> Jungen
als auch der zuständige Bereichleiter in der Arbeitsagentur
>
Aachen, Hans Helmut Lehmkuhl, betonten, mit diesen Veranstaltungen
wolle
> die Bundeswehr über berufliche und soldatische
Laufbahnen zwischen
> Grundwehrdienst, Handwerksberufen und
Studium informieren.
Jeder Arbeitgeber
ist verpflichtet auch über berufsbedingte Risiken zu
informieren, dass zumindest war zunächst mit dem BA-Vertreter
Konsens und sollte, sofern die BA diese Verpflichtung noch nicht in
ihren Bedingungen stehen hat, schleunigst nachgeholt werden. Wenn
also z.B. die Frage gestellt wird, ob die Bundeswehr ihre Soldaten
nach Auslands"aufenthalten" besser betreut als z.B. die
US-Army, 4 Morde und 2 Selbstmorde innerhalb von 6! Wochen in nur 1!
Einheit nach einem Afghanistaneinsatz, so bedarf es schon eines
klar(mannsch)en Feindbildes, dies als subversive Störung zu
betrachten und nicht als Aufforderung und Möglichkeit die
Sorgfaltspflicht des Arbeitgebers Bundeswehr positiv darzustellen.
Bedauerlicher- und unverständlicherweise wurde diese
Gelegenheit, die Interessenten über den fürsorglichen
Arbeitgeber BW zu informieren, seitens des
Wehrdienstberatungsoffizier nicht genutzt.
>
Insgesamt waren rund 20 Demonstranten erschienen. Jene, die nicht in
die
> Räume der Berufsinformationszentrum (BIZ) störten,
hielten vor der
> BIZ-Tür eine kleine Demonstration ab.
"Keine Ausbildung zum Krieg" stand
> auf einem
Plakat. Neben dem "Anwerben" von Jugendlichen würden
auch
> Langzeitarbeitslose von den Behörden unter Druck
gesetzt, zur Bundeswehr
> zu gehen. Letztlich könnten
diese dann auf die Kriegsschauplätze in
> aller Welt
entsandt werden, kritisierten die Friedensaktivisten mit
>
Blick auf Rekrutierungen in den USA. Dort ziehen Menschen den
>
Armeedienst der Arbeitslosigkeit vor.
Da
der Beauftragte der BA ausdrücklich und mehrfach verneint hatte,
dass Arbeitslose zu der Veranstaltung geladen worden sind, wurde
diese grundsätzliche Befürchtung, in anderen Städten
war dies der Fall, und somit der Vorwurf NICHT erhoben. Woher
Klarmann diese Behauptung hat, bleibt also sein journalistisches
Geheimnis. Ebenso woher die profunde und professionelle
Ein-Satz-Analyse stammt, dass Menschen in den USA den Armeedienst der
Arbeitslosigkeit vorziehen.
> Anders sahen das zwei
junge Männer und eine junge Frau, die sich als
>
Schulabgänger über Berufe bei der Bundeswehr informieren
wollten. Das
> Trio übte seinerseits Kritik -- indes an
den Demonstranten. Diese nähmen
> ihnen das Recht, sich
frei zu informieren. "Das können wir doch selbst
>
entscheiden," betonte die junge Frau gegenüber den Linken.
Doch die
> betonten wieder und wieder, es gehe ihnen auch
darum, die Bewerber davor
> zu bewahren, traumatisiert aus
einem Krieg heimzukehren.
Offensichtlich
fällt dem geschulten Journalisten nicht auf, welchen
grundlegenden Fehler die junge Frau und durch diese Darstellung auch
er macht, dass nämlich ALLE Anwesenden das Recht hatten sich
frei zu informieren und das durch die von ihr gewünschte
einseitige Information das Recht Anderer auf umfassendere Information
beschnitten wurde. Das sie in ihrer Entscheidung selbstverständlich
frei bleibt, kann und will ihr niemand nehmen. Ebensowenig ist ihr
Recht beschnitten, sich in einer Bundeswehrkaserne "ungestört"
und "objektiv" informieren zu lassen. Von einer Erwähnung
geschweige denn einer ständigen Wiederholung "Bewerber
davor zu bewahren, traumatisiert aus Kriegen heimzukehren" ist
mir nichts bekannt. Abgesehen von der Fragestellung zu dem
fürsorglichen Arbeitgeber Bundeswehr die der
Wehrdienstberatungsoffizier, vermutlich nicht im Sinne seines
Arbeitgebers, ja eben nicht beantwortet hat. Hier liegt also wohl
eher eine Traumatisierung des Wehrdienstberatungsoffizier vor
abweichenden Fragen vor.
> Gutes Zureden von
Wehrdienstberatungsoffizier Jungen und Lehmkuhl, die
>
Demonstranten sollten nicht weiter stören, nutzte letztlich
wenig. Nach
> einer Stunde brachen beide den Infonachmittag ab.
Wegen zahlreicher
> Zwischenfragen und Diskussionen über
Krieg und Auslandseinsätze der
> Bundeswehr war kein
geordneter Ablauf möglich.
Da gutes
Zureden den Journalisten Klarmann wohl nicht dazu bringen wird auch
den Kritikern einer solchen Veranstaltung überhaupt Raum für
ihre Darstellung des Geschehens zu geben, hier meine Sicht. Wenn man
die oberflächliche Ordnung der Bundeswehr, Hemd - hellblau -
Faltung DIN A4 - Spind mitte, über Inhalte stellt, ist dieses
Statement fast richtig und somit journalistisch fast ordentlich.
Leider aber nur fast, denn das Diskussionen nicht erwünscht
waren, daran haben sich alle Teilnehmer gehalten, bis auf den
Wehrdienstberatungsoffizier und den Beauftragten der BA die wieder
und wieder Diskussionen darüber anzuzetteln suchten, was denn an
Fragen nun erwünscht sei oder nicht.
> Erst
kürzlich hatte Linkspartei.PDS-Ratsherr Andreas Müller im
Rat das
> Vorgehen der Bundeswehr in der Agentur für
Arbeit gerügt. Auch er
> kritisierte, dass
Langzeitarbeitslose unter Druck gesetzt werden.
> Lehmkuhl
dementierte das am Donnerstag. Seit Jahren gebe es in seinem
>
Haus Bundeswehr-Veranstaltungen, die sich besonders an
Berufsanfänger
> richteten. Niemand werde unter Druck
gesetzt. [Michael Klarmann; für AN]
Offensichtlich
ist weder dem Beauftragten der BA noch dem Journalisten Klarmann
klar, dass die Bundeswehr kein "normaler" Arbeitgeber ist.
Zumindest nicht mehr seit durch die NATO-Doktrin von 1998 über
den Passus "Ressourcensicherung" die Bündnispartner zu
einer weltweit tätigen Wirtschaftssicherungstruppe verkommen
sind. Ebenso sollte diese beiden Adressaten doch stutzig machen, dass
es per höchstrichterlichem Beschluss möglich ist, Soldaten
als potentielle Mörder zu bezeichnen. Das dies im Speziellen
nicht über Soldaten der Bundeswehr gesagt werden darf, ändert
nichts an der Allgemeingültigkeit. Ein Arbeitgeber, dem das
generelle "Berufsbild" "potentielle Mörder"
zugeordnet werden kann, wirbt in der BA als "normaler"
Arbeitgeber um Nachwuchs? Ein denkwürdiges Verständnis der
BA und eines Journalisten.
Fazit, als flankierende Massnahme einer
sauberen Bundeswehrdarstellung durchaus geeignet. Als Beispiel für
die freie Meinungsäußerung – einem Grundpfeiler des
Journalismus - von Menschen gegen Krieg und Militarismus, wohl eher
nicht.
Friedensengel stören nicht - oder doch? ;-)
Viele
und herzliche Gruesse an alle Beteiligten (BA und BW ausgenommen)