28.
Juni 2007 (Köln) | Hausverbot
für die Bundeswehr in der Arbeitsagentur !
Mehr
als 60 BundeswehrgegnerInnen belagerten das blutrot-verschmierte
Berufsinformationszentrum der Kölner Arbeitsagentur. Durchaus
bemüht, der Bundeswehr (trotz
der vielen roten Farbe an Scheiben, Wänden und vor dem Eingang)
eine attraktive
Werbeveranstaltung zu ermöglichen, lief auch beim sechsten
diesjährigen Anlauf der Arbeitsagentur alles schief.
Sicherheitskräfte und die Polizei waren überrascht von der
Anzahl der BundeswehrgegnerInnen und verriegelten nach dem ersten
Stürmungsversuch einer sehr entschlossenen Clowns-Army
vorsichtshalber alle Zugänge. Damit blieb die Tür auch
Bundeswehr-Interessierten (und TeilnehmerInnen anderer
Veranstaltungen) verschlossen. Draußen wurden derweil
potenzielle RekrutInnen vermessen. Diese durften im Sarg probeliegen.
Die Ausstellung eines Sargpasses mit der Option auf Heimatbestattung
als Reaktion der Bundeswehr auf eine wachsende Verunsicherung in
weiten Bevölkerungsteilen löste bei vielen Erwerbslosen
Befremden aus. Für die Bundeswehr besorgniserregend: Sogar die
nicht-zivile Bevölkerung gibt sich derzeit wenig kriegslüstern:
die Zahl der nachträglich verweigernden Soldaten ist im letzten
Jahr um 40% gestiegen (siehe Kurznachrichten auf
www.bundeswehr-wegtreten.tk).
Doch
auch hier versuchte die Bundeswehr gegenzusteuern. Eine von
Bläserinnen begleitete Trauerprozession gab dem Kölner
Kameraden Jan Schmitz das letzte Geleit. In seiner Trauerpredigt
betonte Pfarrer Jung, dessen Tod im Kampf um eine neoliberale
Weltordnung solle nicht umsonst gewesen sein. Sichtlich bewegt und
dennoch siegesgewiss schwor er die Trauergemeinde auf lange und
mitunter verlustreiche militärische Auseinandersetzungen
weltweit ein. Zum eingeschlagenen Kurs der Bundesrepublik im Kampf
(wahlweise) für das Gute oder gegen das Böse gäbe es
keine Alternative.
Traurige Bilanz des heutigen Tages: Während
draussen die Rebel Clown Army für einen durchaus werbewirksamen
Einsatz sorgte, war die Ausbeute für BundesArmy und
BundesAgentur eher mau. Ganze zwei junge Frauen hatten es als
interessierte Soldatinnen ins Berufsinformationszentrum
geschafft.
Ebenfalls bemerkenswert: Die Bundeswehr hat in Köln
bisher keine weiteren Veranstaltungstermine angekündigt.
Natürlich wird es weiterhin den Versuch von Reklameeinsätzen
auch im Arbeitsamt geben - und wir werden Euch rechtzeitig
informieren. Dennoch erreicht der Kölner Bundeswehrstandort
derzeit kein "Laufpublikum" per Internet oder über die
bisher üblichen Aushänge und Handzettel.
Grabrede:
Liebe
Trauergemeinde, liebe Kameradinnen und Kameraden, heute begraben
wir Jan Schmidt.
Wir haben den Tod unseres Kameraden Jan
Schmidt zu bedauern,
der von Gott mit 22 Jahren als Soldat
unserer Bundeswehrmacht in Afghanistan zu sich gerufen worden
ist.
Kamerad Schmidts Tod ist kein sinnloser Tod.
Er starb für
uns und unsere westlichen Werte: Demokratie, Sicherheit und Freiheit
der Handelwege,
die wir, wie Ex-Verteidungminister Struck weise
gesagt hat, auch am Hindukusch verteidigen müssen.
Kamerad
Schmidt wir danken dir, dass du dies so treu beherzigt hast.
Soldat
Schmidt, du hast dein junges Leben nicht umsonst gegeben.
Der Dank
der globalisierten Wirtschaft begleitet dich auf deinem letzten Weg.
Und weitere junge Erwerbslose werden deinem Vorbild folgen und
wie du
dem Terror der Mächte des Bösen an der Seite
unserer Verbündeten die Stirn bieten
– ihre eigene Not
vergessend, neoliberal freiwillig ihr Leben für uns einsetzen
wollen müssend.
Im
Namen der heiligen Dreieinigkeit von Habgier, Profit und Dumpfsinn
–
Amen.
Flugblatt für Bundeswehr-Interessierte
Helm ab, Hirn rein (Neue Rheinsche Zeitung)
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