- Bundeswehr versucht Neuanfang am Arbeitsamt | Do, 24. Mai 2007 (Köln)
Werbeveranstaltung der
Bundeswehr an Kölner Arbeitsagentur nur unter Polizeischutz
möglich
Junge Erwerbslose offenbar erneut zur Teilnahme an
Bundeswehr-Werbeveranstaltung gedrängt
„Von der Arbeitsagentur
nach Afghanistan? Bundeswehr ködert mit Hilfe der Arbeitsagentur
junge Erwerbslose für Krieg“: So lautete die Überschrift
des Flugblattes, das an Arbeitssuchende bei der Arbeitsagentur Köln
verteilt wurde. Die Leitung der Arbeitsagentur hatte nach Protesten
gegen die Werbeveranstaltung und gegen den Einsatz von Feldjägern
im Arbeitsamt zwei Monate die Werbung abgesagt. Sie wolle die
„Rahmenbedingungen“ klären. und so sahen die neuen
Bedingungen aus:
Der Eingang des Berufsinformationszentrums der
Kölner Arbeitsagentur war von einem Tarnnetz verdeckt, da die
Bundeswehr erneut SchülerInnen und Erwerbslose zum Militärdienst
zu werben versuchte. BesucherInnen konnten nur durch ein Spalier von
Polizei und Sicherheitsdienst ins BIZ gelangen, während 30
AntimilitaristInnen, unter ihnen viele Erwerbslose, am Zutritt
gehindert wurden. Die Militärpolizei war allerdings diesmal in
der Kaserne geblieben, denn die Geschäftsleitung der
Arbeitsagentur scheute die anhaltende Kritik an ihrem Einsatz. Dafür
hatten sich mehrere MitarbeiterInnen der Arbeitsagentur im
Eingangsbereich postiert und setzten mit ihrer ausdrücklichen
Gesprächsbereitschaft auf Deeskalation.
Trotz gegenteiliger
Aussagen der Leitung der Arbeitsagentur, werden offenbar weiter
jugendliche Hartz IV Empfänger zur Teilnahme an den
Werbeveranstaltungen der Bundeswehr gedrängt. Erneut sind
Erwerbslose offenbar unfreiwillig zur Werbeveranstaltung erschienen:
Sofern sie an der Werbeveranstaltung nicht teilnähmen, würden
Sanktionen auf sie warten, erzählten sie. Während draußen
Flugblätter verteilt wurden, die auf die
Menschenrechtsverletzungen auch innerhalb der Bundeswehr hinwiesen,
versuchte drinnen Oberstleutnant Luchs einer Handvoll SchülerInnen
das Militär schmackhaft zu machen. Der Versuch junge Erwerbslose
zum Militärdienst zu ködern, stieß bei den
erwerbslosen BesucherInnen der Arbeitsagentur auf überdeutliche
Ablehnung. Viele blieben stehen und diskutierten. Lieber arbeitslos
als tot – oder auf Befehl zu töten, das war einhellig die
Meinung.